Spitzeninnovation in Deutschland

Staatliche Förderung grüner Startups

Der Aufbau und die Entwicklung von Start ups mit nachhaltigem ölologischen Ansatz ist für die Start up-Kultur dieses Landes von ebenso großer Bedeutung, wie für die Erreichung unserer klimapolitischen Ziele. Die Vorteile von Start ups – ihre Flexibilität, ihr unmittelbares Aufnahmen neuer Geschäftsfelder, ihre Schnellig­keit in der Marktanpassung – sind nicht nur für unsere Industrie­gesell­schaft insgesamt, sondern insbesondere auch für deren umweltorientierten Teil von Bedeutung. Denn gerade dort brauchen wir einen schnellen und erfolg­reichen Strukturwandel.

Aber Umwelt-Start ups bedürfen eben auch besonderer Unterstützung. Das Konzeptpapier zu „High-Sustainability-Gründerfonds“ benennt die Gründe für diese besondere Unterstützung hinreichend. Ich muss sie hier nicht wiederholen. Wir sprechen heute deswegen über die effizienteste Form der Förderung.

Dabei gilt es zunächst, grundsätzliche Probleme unserer Förderstrukturen anzu­gehen. Wir haben effiziente Förderstrukturen, aber sie sind kompliziert. Einer der zentralen Herausforderungen von jungen Startups – auch bei nachhaltigen– ist, sich zunächst eine Übersicht und Expertise innerhalb der vielfältigen Fördermöglichkeiten zu verschaffen. Deshalb ist es wichtig, nicht alleine neue Programme mit einem Fokus auf grüne Startups zu etablieren. Vielmehr muss das Knowhow bei jungen Gründern und Gründerinnen geschaffen und vertieft werden, welche Gelder wie und von wem zu bekommen sind. Hierfür braucht es möglichst niedrigschwellige Mentoring-Angebote. Mit Experten, die Startups über die Frühphasen der Gründung begleiten. So kann auch ein Verständnis für die Struktur von Förderanträgen und Mitteln geschaffen werden. Insbesondere bei Gründern, die keinen betriebs­wirt­schaftlichen Hintergrund haben, sind solche Mentoringangebote das Funda­ment für den Erfolg.

Auch bei Förder- und Investitionsprogrammen die für grüne Startups maßge­schneidert sind, wird es bürokratische Hürden geben, die genommen werden müssen. Deshalb ist auch dort der Aufbau von Mentoring- und Beratungs­strukturen von herausragender Bedeutung. Dabei müssen diese Mentoring-Angebote in ganz Deutschland vorhanden sein, nicht nur in den Ballungsräumen. Denn auch auf dem Land gibt es junge Unternehmen, die von diesen Angeboten profitieren sollten.

Gerade für mich als Abgeordneter aus einer ländlichen Region – dem Naheland in Rheinland-Pfalz – ist es wichtig, dass junge, ökologisch orientierte Unter­nehmen aus meiner Region Unterstützung bei der Markteinführung ihrer Produkte bekommen. Das gilt etwa für die vielfältige Expertise, die aus dem Umweltcampus Birkenfeld, der grünsten Hochschule unseres Landes, erwächst. Denn die Bekämpfung des Klimawandels kann nur gelingen, wenn wir gerade auch in den ländlichen, schlechter strukturierten Räumen unseres Landes das Bewusstsein und das Know-how dafür vertiefen, nachhaltige Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln und in den Markt zu bringen.

Dazu stellt sich die Frage, welche der vier in dem Papier genannten Förder­möglich­keiten die effizienteste ist. Aus meiner eigenen, mehr als ein Jahrzehnt dauernden Fördererfahrung für Start ups als Technologieabteilungsleiter des Wirtschaftsministeriums in Rheinland-Pfalz kann ich als Basis nur sagen: die einfache, technisch unkomplizierte und in Form und Inhalt leicht zu vermittelnde Variante ist grundsätzlich immer die Beste.

Deswegen bin ich bei einem eigenen High-Tech-Gründerfonds Green genauso skeptisch wie bei eigenständigen, spezifischen Förderprogrammen. Warum die ganzen administrativen und Genehmigungsprobleme, die man schon hatte, noch einmal auf sich nehmen? Andererseits ist es auch schwierig, bestehende Programme alleine durch Bonusregeln aufzuwerten. Das schafft ganz natürlich auch Vergleiche und eine Wertigkeitsdiskussion, in der sich andere zurück gesetzt fühlen könnten.

Mir scheint am sinnvollsten ein eigener Programmbereich innerhalb bewährter bestehender Förderprogramme zu sein: die Abläufe sind bekannt und erprobt und es ist relativ einfach, zusätzliche Schwerpunkte zu implementieren.

So wäre die Schaffung von Fonds, die sich auf Investitionen in nachhaltige Startups fokussieren, durchaus sinnvoll. Flankierend zu den Nachhaltigkeits- und Industrie­strategien der Bundesregierung könnten sie nicht nur einen Beitrag zu einer klimaneutralen Zukunft leisten. Sondern auch die klimaneutrale industrielle Spitzentechnologie vorantreiben, etwa im Bereich Wasserstoff. Deshalb sollte bei der Schaffung von Nachhaltigkeitskriterien bei der Institutionalisierung von Startup-Förderung darauf geachtet werden, dass die Kriterien in die Strategien und in andere Förderprogramme passen.

Dabei kann eine staatliche Investition – beispielsweise durch die KfW Capital – in ein Green Startup als Gütesiegel fungieren, welches Investitionen von privaten Investoren in das Startup erleichtert und nach sich zieht.

Da immer mehr Startups unter Nachhaltigkeitsaspekten wirtschaften wollen, ist es auch vom steigenden Umfang der Nachfrage her sinnvoll, die Förderung von spezifisch ökologischen Startups auch an bestehende Programme und Institutionen anzugliedern. Dort bestehen heute schon Kompetenzen, die auch in der Finanzierung und Beratung von Green Startups von großer Bedeutung sind.

Ein eigener Fond für Investitionen in nachhaltige Technologien und Startups sollte übrigens nicht nur für die reine Gründung von Start ups konzipiert werden, sondern auch die Übernahme und die Transformation bestehender kleiner und mittelständischer Unternehmen abdecken. Denn auch hier gibt es – gerade auf dem Land – einerseits einen großen Finanzierungsbedarf und andererseits Potentiale, die nachhaltige und innovative Technologien zum Markterfolg führen können. Dabei stehen KMU teils vor ähnlichen Herausforderungen wie Green Startups: Ein hoher Kapitaleinsatz für Forschung und Entwicklung, regulatorische Risiken und ein längerer Prozess bis zum Markterfolg eines Produkts.

Es sollte also von zwei Seiten an die Förderung von Green Startups heran gegangen werden: Auf der Seite der Startups müssen Kompetenzen zur Förder­mittelaquise entstehen. Und auf staatlicher Seite sollten neue Angebote für Green Startups innerhalb bestehende Programme und Institutionen geschaffen werden, die den häufig langen Entwicklungs- und Kapitalisierungsprozessen gerecht werden.